Bis 1492 – Frühgeschichte und erste Besiedlung
Die weitverbreitete Annahme, Christoph Kolumbus habe Amerika im Jahr 1492 „entdeckt“, ist historisch unzutreffend. Südamerika war schon lange zuvor bewohnt. Die ersten Menschen erreichten den Kontinent vermutlich vor rund 12.000 Jahren, möglicherweise über Polynesien oder – laut Funden der brasilianischen Archäologin Niède Guidon in der Serra da Capivara – sogar vor 25.000 Jahren von Westafrika aus.
Auch Leif Eriksson, ein Wikinger, gilt um das Jahr 1000 als einer der ersten Europäer, die amerikanischen Boden betraten – lange vor Kolumbus. Dass Kolumbus dennoch als „Entdecker“ in die Geschichte einging, ist nicht zuletzt der zeitgleichen Erfindung des Buchdrucks zu verdanken, die seine Reisen schnell bekannt machte.
Die Zeit vor der Ankunft der Europäer wird als präkolumbisch bezeichnet – und war keineswegs geschichtslos. Besonders prägend: das mächtige Inkareich, das sich zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert von Ecuador bis Nordchile und Nordargentinien erstreckte. Zentrum war Cusco, die Hauptstadt der Inka und Ort des göttlichen Ursprungs gemäß ihrer Mythologie um den Sonnengott Inti.
Weitere Einblicke in diese Zeit gibt es unter:
👉 Die präkolumbische Zeit
1494 bis 1531 – Die Anfänge der Kolonialisierung
Im Jahr 1494 regelte der Vertrag von Tordesillas die Aufteilung der „neuen Welt“: Spanien erhielt die westlich, Portugal die östlich gelegenen Gebiete – mit maßgeblicher Unterstützung des Papstes.
1499 betrat Alonso de Ojeda als erster Konquistador venezolanischen Boden und begann mit der Versklavung indigener Gruppen.
1500 „versegelte“ sich der Portugiese Pedro Alvares Cabral auf dem Weg nach Indien und landete an der Küste des heutigen Brasilien, das vertraglich noch knapp im portugiesischen Einflussbereich lag. Amerigo Vespucci, der die Reise mitorganisierte, lieferte dem Freiburger Kartographen Waldseemüller später die Grundlage zur Benennung des Kontinents: America.
1531 bis 1824 – Die Eroberung des Inkareichs und der Weg zur Unabhängigkeit
1531 landete Francisco Pizarro mit einer kleinen Truppe im heutigen Nordperu. Das Inkareich war zu diesem Zeitpunkt durch eine Pockenepidemie und einen innerfamiliären Machtkampf zwischen Huascar und Atahualpa geschwächt. Pizarro nutzte die Situation aus, ließ Atahualpa gefangen nehmen und erst nach einem „Lösegeld“ in Gold hinrichten – ein Wendepunkt der südamerikanischen Geschichte.
Eine interessante literarische Fiktion dazu bietet Laurent Binets Roman „Eroberung“, der die Geschichte umkehrt: Was wäre, wenn Atahualpa Europa entdeckt hätte?
Die Grausamkeit der europäischen Expansion thematisiert auch der österreichische Autor Franzobel in „Die Eroberung Amerikas“, mit Fokus auf Hernando de Soto und seinen Feldzug in Florida und entlang des Mississippi.
In der Folge wurden die eroberten Gebiete in spanische Vizekönigreiche (Peru, Neugranada, Río de la Plata) sowie das portugiesische Brasilien aufgeteilt. Der Fokus lag auf der Ausbeutung natürlicher Ressourcen – insbesondere Gold, Silber, Kupfer und Zinn – sowie der Plantagenwirtschaft, etwa im Zuckerrohranbau. Dafür wurden Indigene versklavt, später auch afrikanische Sklaven importiert.
Bis Ende des 18. Jahrhunderts in der Geschichte Südamerikas wuchs das Streben nach Unabhängigkeit. Führende Figuren der Befreiungsbewegung waren Simón Bolívar, José de San Martín und Bernardo O’Higgins. Am 9. Dezember 1824 brachte die Schlacht von Ayacucho in Peru das Ende der spanischen Kolonialherrschaft.
In Brasilien rief König Pedro I 1822 die Unabhängigkeit aus – friedlich unterstützt von seiner Frau Leopoldina von Österreich. Brasilien wurde zum Kaiserreich.